Besuch beim Scottish Six Days Trial 2026

Bericht und Medien von Ingo Breitfeld

Bester Deutscher: Paul Reumschüssel

Trotz, dass ich leider keine Startzusage für das diesjährige Scottish Six Days Trial (SSDT) erhalten hatte, machten wir uns Ende April dennoch auf die Reise, um diese weltweit einzigartige Trial-Veranstaltung zu besuchen. Das SSDT wird seit 1909 ausgetragen und damit handelt es sich um eine der ältesten Mehrtages-Offroadveranstaltungen der Welt. Absagen seit dieser Zeit gab es bisher nur durch Weltkriege, Seuchen und Pandemien. Ausgangspunkt ist wie jedes Jahr in der ersten vollen Maiwoche das kleine Städtchen Fort William in den schottischen Highlands. Am Wochenende vor den Six Days findet zudem noch in der Nähe eine zweitägige Klassik-Trial Veranstaltung statt. Hier zeigen die Fahrer was mit – hauptsächlich britischer – Fahrzeugtechnik von vor 1965 alles machbar ist. Absolut sehen- und oft auch hörenswert!

Video: Mit aktueller Technik durch einen Bachlauf

Beim SSDT fahren die Teilnehmer jeden Tag einmal einen Rundkurs von 80 bis 100 Meilen, auf dem sich 28 Sektionen verteilen. Die Zwischenstrecke führt dabei über öffentliche Straßen, Forstwege, Single Trails und teilweise auch durch Moore ohne einen einzigen Weg. Dort steht dann alle 200m ein kleines orangenes Fähnchen an einem 1m hohen Bambusstock, an dem man sich orientieren muss. Dazwischen muss man schauen, dass man immer schön durch die Moorlöcher, über die Wassergräben und um die Steine herum navigiert. Gepaart mit den täglichen Zeitvorgaben macht allein die Zwischenstrecke einen wesentlichen Teil der Herausforderung für die Teilnehmer aus. Die Sektionen selbst sind immer in Gräben angelegt, mal mit mehr oder weniger Wasser und mit Steinen in jeder Größe, aber prinzipiell immer bergauf. Ein anderer Faktor kann das mitunter wechselhafte und regnerische Wetter an der Nordatlantikküste sein. Damit hatten die Teilnehmer dieses Jahr allerdings Glück. Im Vorfeld der Veranstaltung hatte es recht wenig geregnet, wodurch die Bäche mit den Sektionen auch recht wenig Wasser führten und die Moorpassagen etwas weniger tief waren. Auch während der 6 Tage blieben die Fahrer von größeren Regen verschont.

Adam Raga konnte diesmal den einzigartigen Wettbewerb gewinnen.
George Hemingway holte mit der kleinen 125ger den dritten Platz.

288 Teilnehmer standen dieses Jahr in der Startliste, darunter Fahrerinnen und Fahrer aus Neuseeland, Australien, USA, Europa und natürlich aus dem Vereinigten Königreich selbst. Aus Deutschland waren 10 Starter dabei, angeführt vom amtierenden deutschen Meister Paul Reumschüssel. Die britischen Topfahrer aus der TrialGP und Trial2 Kategorie hatten mit dem Spanier Adam Raga (zweifacher Weltmeister) wie schon im Vorjahr harte Konkurrenz. Dieser wollte unbedingt seine denkbar knappe Niederlage gegen den Engländer Jack Peace wieder gutmachen und sich auch diesen prestigeträchtigen Titel sichern. Raga lies keinen Zweifel an seinem Ziel und beendete die ersten drei Fahrtage fehlerfrei. Erst am Donnerstag machte er einen ersten Strafpunkt. Zu diesem Zeitpunkt lagen Jack Price und die Brüder Harry und George Hemingway noch in Schlagdistanz, waren aber auf einen gröberen Fehler von Raga angewiesen, um noch Chancen auf den Sieg zu haben. Und genau dieser eine Schnitzer unterlief Raga in der letzten Sektion des fünften Tages. Price erwischte es allerdings noch heftiger an diesem Tag, was auch etwas seiner früheren Startzeit geschuldet war. George Hemingway hatte im Gegensatz dazu einen brillanten Tag und blieb fehlerfrei. Damit waren Raga und Hemingway vor dem letzten Tag punktgleich in Führung. Umso bemerkenswerter ist das, weil George Hemingway aufgrund seines Alters und fehlendem Motorradführerschein noch mit einer 125er antreten musste. Allerdings platzten die Hoffnungen des 18-Jährigen durch 5 Fehlerpunkte am letzten Fahrtag. Dadurch fiel er noch hinter seinen älteren Bruder Harry auf Platz 3 gesamt zurück. Der Sieg ging am Ende mit nur 10 Strafpunkten und nur einem Strafpunkt Vorsprung an Adam Raga. Paul Reumschüssel war als bester Deutscher mit 130 Strafpunkten auf Platz 54 eingekommen. Bester Newcomer wurde Ex-Europameister Jarand Gunvaldsen aus Norwegen und bei den Damen siegte Emma Bristow aus England. Rekordsieger Dougie Lampkin beendete seine Woche auf Platz 7 und zeigt, dass er mit nun 50 noch immer stark in den Highlands ist.

Beste Frau: Emma Bristow
Harry Turner
James Dabill